Aktuelles aus dem Herz-Jesu Krankenhaus.

Lebensqualität als Therapieziel

Unser Expertenteam beim Parkinsontag: (hi. v. l.:) Ergotherapeutin Diana Haubrich, Dr. Wolfgang Kusch, Prof. Dr. Stephan Klaus, Dr. Hubertus Lohmann, Dr. Michael Ohms, Dr. Gabor Egervari. (vo. v. l.:) Logopädin Julia Schwarze sowie die Parkinson Nurses Carolin Stöber und Simone Merschoff.

Jeder Ältere mag schon die Erfahrung gemacht haben. Das Tempo lässt nach, die Merkfähigkeit schwindet. Das „es liegt mir auf der Zunge“ schleicht sich langsam in den Alltag. Kaum jemand denkt dabei an Parkinson. Wenn sich allerdings andere Beschwerden wie Zittern, fehlende Koordination in der Motorik, Schlafstörungen oder  die Sinneswahrnehmungen sich verschlechtern, können diese Symptome Vorboten einer beginnenden Parkinsonerkrankung sein.

Wenn das Gedächtnis nachlässt
„Die zeitlichen Zusammenhänge des zuvor Erlebten einzuordnen, fällt schwerer“, sagte Neuropsychologe Dr. Hubertus Lohmann während des 6. Parkinsontages, der an einem schönen Frühlingstag wieder die Stadthalle füllte und zeigte, dass der Informationsbedarf an neueren Therapien immens groß ist. Neurologie-Chefarzt Dr. Wolfgang Kusch moderierte die Veranstaltung.
Bei Merkfähigkeitsstörungen können nur neuropsychologische Therapieformen helfen, die Gedächtnisprozesse zu verbessern. Indem man seinen Alltag genauestens strukturiert, sich Notizen macht, Informationen selektiv speichert und Dinge sofort erledigt.

Keine Angst vor der Narkose
„Machen Sie sich keine Sorgen“, baute Chefarzt Prof. Dr. Stephan Klaus (Anästhesie) die Ängste der Parkinsonpatienten ab, die sich einer Operation unterziehen müssen. So lassen sich sämtliche Narkosemethoden individuell gestalten. Voraussetzung ist eine entsprechende Anamnese in der Narkosesprechstunde und einer Medikamentenbefragung durch den Apotheker. „Wir operieren nach morgendlicher Medikamentation so früh wie möglich“, sagte Klaus. Somit werde eine Wirkminderung zwischen zwei Medikamenteneinnehmen vorgebeugt. Während der Operation würden die Patienten über EEG und Blutdruckmessung zusätzlich überwacht. Auch würden die frisch Operierten lange in dem Aufwachraum betreut.

Wenn die Schrift kleiner wird
Anzeichen einer Parkinsonerkrankung kann eine zunehmend kleiner werdende Handschrift sein. Das Schriftbild verändert sich. „Wir bieten ein Schreibtraining nach Prof. Mai an“, erklärte Ergotherapeutin Diana Haubrich die verschiedenen Schwungübungen, die helfen, die Feinmotorik zu verbessern. Zudem werde der Oberkörper aktiviert, Schulter und Nacken gelockert.

Kreislaufproblemen auf den Grund gehen

Wenn dem Parkinsonpatienten schwarz vor Augen wird, sind die Kreislaufstörungen oft auf Blutdruckprobleme zurückzuführen. Ursachen können Infektionen, Flüssigkeitsmangel, fehlende Medikamenteneinnahme oder Herz-Rhythmus-Störungen sein. Wie sehr Vorhofflimmern, Infarkte und Herzinsuffizienzen eine Rolle spielen, erläuterte der Leiter der Kardiologe, Dr. Gabor Egervari, anhand mehrerer Fallbeispiele.
Nach einer genauen Diagnose und nachfolgender Therapie können kreislaufwirksame Übungen helfen, die Muskeln zu aktivieren und damit das Herz zu stärken.

Was hilft bei Schluckstörungen?

Unangenehm wird es, wenn der Parkinsonpatient von ständigen Schluckstörungen geplagt wird und nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilhaben möchte. Alle ein bis zwei Sekunden erfolgt ein Schluckvorgang, an dem bis zu hundert Muskeln beteiligt sind und der vom vegetativen Nervensystem gesteuert wird. „Hier ist der Sollwert beim Schlucken verstellt“, stellte Logopädin Julia Schwarze verschiedene Strategien zur Erleichterung des Schluckens vor. Dazu gehören eine gute medikamentöse Einstellung, einhergehend mit ergo- und physiotherapeutischen Maßnahmen. Auch das Tapen der Speicheldrüse könne die Beschwerden lindern.

Individuelle Therapien können helfen
Weiterhin werden neue L-Dopa-Formulierungen auf den Markt gebracht. Mut macht auch ein neuer COMT-Hemmer, der die so genannte Off-Zeit reduziert.
Parkinson sei eine hoch individuelle Erkrankung mit unterschiedlichen Entstehungsmechanismen im Stoffwechsel, sagte Dr. Michael Ohms (Neurologie), der nur mit individuellen Therapien begegnet werden könne. Lebensqualität als Therapieziel, zitierte er eine Patientin. Dieses Ziel ist auch in die Leitlinie des Parkinson-Netzwerkes Münster aufgenommen worden, dass sich jüngst gegründet hat.














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