Donnerstag, 12.01.2017

Patientenseminar Tumortherapie

Die Diagnose Krebs ist zunächst ein großer Schlag. Aber es bedeutet nicht immer gleich ein Todesurteil. Denn entscheidend für eine erfolgreiche Therapie ist die rechtzeitige Diagnose, hieß es bei unserem Patientenseminar „Die Tumortherapie“ im Herz-Jesu-Krankenhaus, zu dem Dr. Anton Gillessen eimgeladen hatte. 

Immer mehr an Bedeutung gewinnen dabei bildgebende Diagnoseverfahren. „Wo ist was im Körper?“, umriss Dr. Benedikt A. Prümer, Chefarzt für Radiologie, die Wichtigkeit der Früherkennung. Wie groß ist die Geschwulst, welche Organe sind betroffen und haben sich schon Metastasen gebildet?

Bildgebung und Tumorkonferenzen

Dank eines neuen Kernspin-MRT mit seinen hohen Auflösungsmöglichkeiten können Gewebe sehr genau differenziert, mittels einer Ganzkörperbildgebung kann sogar der Stoffwechsel des blutbildenden Knochenmarks projiziert werden. Während die Computertomografie CT bei größeren Körpervolumen, wie beispielsweise bei der Darmdiagnostik das Mittel der Wahl ist. Die Sonografie und auch die Elatografie kommen bei der Erkennung von Tumoren in Geweben zu Einsatz, wie beim Brustkrebs. 

Neben der rechtzeitigen Diagnose kommt es dann auf die richtige Therapie an. Regelmäßig stattfindende Tumorkonferenzen, bei denen die Fachärzte jeden individuellen Fall besprechen, sind im Herz-Jesu-Krankenhaus inzwischen gängige Praxis. Nur so kann ein maßgeschneidertes Therapiekonzept gefunden werden, dass die spezielle biologische Eigenschaft des Tumors nutzt.

Spezielle Erkenntnisse

Inzwischen ist die Notwendigkeit, Experten für medikamentöse Tumortherapien einzusetzen, erkannt worden. Denn das Wissen über genetische Veränderungen verschiedener Tumorarten wächst rasant. Ziel ist, dem Tumor die Nahrungsgrundlage zu entziehen. Den Überblick über Wechselwirkungen einer medikamentösen Therapie zu behalten, ist eine Wissenschaft für sich. „So darf man bei einigen Tumoren keinen Pampelmusensaft trinken“, sagte der Hämatoonkologe Dr. Jürgen Wehmeyer, der sich auch als Ansprechpartner in Krisensituationen versteht. Für eine Langzeittherapie, und das ist meistens der Fall, spricht eine wohnortnahe Betreuung durch einen Onkologen und einen Hausarzt, der den Patienten lange kennt.

Möglichst wenig chirurgische Eingriffe

Generell gilt, und damit weichen die Spezialisten von früheren Verfahren ab, möglichst wenig 
chirurgisch einzugreifen. Dabei helfen zertifizierte minimal invasive Techniken, die im frühen 
Stadium durchaus ausreichen, so Prof. Dr. Rüdiger Horstmann, Chefarzt der Chirurgie. Der Vorteil, der Patient kommt früher auf die Beine mit einem Höchstmaß an Lebensqualität. So wurde früher eine Niere bei Tumorbefall komplett entfernt, heute entfernt man lediglich den Tumor und erhält damit die Nierenfunktion.

Ähnlich beim Prostatakrebs, der gerade im höheren Alter nicht unbedingt operiert werden müsse, so Dr. Drasko Brkovic, Chefarzt für Urologie und Leiter des Zertifizierten Prostatazentrums. Oft helfe eine Hormontherapie in Verbindung mit einer Chemotherapie, die auch bei der Behandlung von Brustkrebs von Bedeutung sein kann. Neu ist eine so genannte Target-Therapie mit Antikörpern.

Brustkrebs: Screening sinnvoll

In der Diagnostik kommen neben CT und MRT auch Tumormarker und die Sonografie zum Einsatz. Dabei 
ist das Screening besonders für Frauen ab 50 Jahren sinnvoll, so Dr. Joachim Zucker-Reimann, Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe.  

HI-PEC-Verfahren gegen Bauchfellkrebs

Eine experimentelle Therapie des Bauchfellkrebses stellte Dr. Jens Peter Hölzen vom Bauchfellzentrum Ruhr in Herne vor. Hier wird das so genannte HI-PEC-Verfahren angewendet, bei dem die 
Kombination von Chemo, Wärme und Druck direkt in den Bauchraum gelangt.