Neuroradiologie

Die Neuroradiologie ist eine Spezialdisziplin der Radiologie. Diagnostiziert werden hier Erkrankungen des zentralen Nervensystems, das heißt von Gehirn und Rückenmark, sowie ihre jeweiligen Hirnhäute und umgebenden Strukturen. Dazu dienen Röntgenaufnahmen, MRT-Untersuchungen, Ultraschall sowie die minimal-invasive angiographische Diagnostik und Behandlung mit feinen Kathetern.

Die Neuroradiologie spielt eine zentrale Rolle in der Frühdiagnose, Therapie, Prävention und Kontrolle von vielen wichtigen Erkrankungen, vor allem bei:

  • Hirnblutungen und ischämische Schlaganfällen
  • Multipler Sklerose
  • Bandscheibenvorfällen und Spinalkanalengen (Stenosen)
  • Gehirn- und Rückenmark-Tumoren
  • Missbildungen des zentralen Nervensystems
  • Stoffwechsel-Erkrankungen

Die minimal-invasiven Behandlungsmöglichkeiten umfassen:

1. Endovaskuläre Behandlungen mittels Katheter durch die versorgenden Arterien des Gehirns und des Rückenmarks sowie durch die Venen dieser Organe. Der Zugang zum Gefäßsystem erfolgt zumeist durch einen kleinen Einstich in der Leiste. Es können so verschiedene Gefäßerkrankungen des Gehirns und Rückenmarks behandelt werden:

  • Embolisation von Gehirngefäßaussackungen (Aneurysmen) durch Implantation von kleinen Metallspiralen (Aneurysma-Coiling)
  • Verschluss von intrazerebralen oder spinalen vaskulären Erkrankungen (Angiomen oder AVM) sowie extrazerebralen Gefäßkurzschlüssen (Shunts) mit intrazerebraler Mitbeteiligung (durale arteriovenöse Fisteln) durch Partikel oder flüssige Gefäßkleber (Onyx, Histoacryl/Lipiodol).
  • Wiedereröffnung der Hirngefäße durch den Einsatz der Angioplastie mittels Ballon oder Stent, beispielsweise bei verengten Arterien in Kopf oder an den Halsschlagadern.
  • Wiedereröffnung der Hirngefäße bei einem akuten Schlaganfall durch die Verwendung von Katheter und Stent-Retriever. Durch die mechanische Entfernung des verschließenden Thrombus wird die Durchblutung des betroffenen Hirnareals wieder hergestellt.

2. Bildgeführte Punktionen durch Computertomographie, Magnetresonanztomographie, Ultraschall, Röntgen oder Durchleuchtung für die feingewebliche Diagnose (Biopsie) oder Therapie von degenerativen, tumorösen oder entzündlichen Erkrankungen, zum Beispiel:

  • Infiltration der Facettengelenke der Wirbelsäule bei degenerativen Reizzuständen zur Schmerztherapie
  • Perineurale Infiltration von Spinalnerven zur Schmerztherapie bei Reizzuständen mit in die Beine ausstrahlenden Schmerzen, z.B. durch Bandscheibenvorfälle
  • Perkutane Sklerosierung der subkutanen Hämangiomen
  • Verödung von symptomatischen perineuralen Zysten (Tarlov-Zysten)
  • Lumbale Sympathektomie (LSE)
  • Sympathikolyse zur Verbesserung der Durchblutung bei Patienten mit einer chronischen peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK)
  • Vertebroplastie (perkutane Zementinjektion in einen Wirbelkörper zur sofortigen Stabilisierung eines Wirbel-Bruches)

Ausbildung und Karriere